Selbstbau eines TMB 115 - ein Bildbericht -

 

Nach längerer Enthaltsamkeit und nachdem ich beim ITV 2005 einen 115er hautnah erleben konnte, war eigentlich die Zeit für ein neues Projekt gekommen.

Also mußte es ein 115er TMB sein, bei dem ich diesmal folgende Punkte realisieren wollte:

 -  Einsatz einer Objektivjustierung mittels Druckfedern zum Halten des Objektives und mittels

   Druckschrauben zur eigentlichen Justage.

Diese Lösung hatte ich schon bei meinem 105er angewendet und sie hat den Vorteil, daß man

lediglich die Justierschrauben benutzen muß und nicht immer auch noch die ansonsten üblichen 

Zugschrauben  lösen und wieder befestigen muß.

-   Anstelle der Verwendung von Rohrschellen die Verwendung einer Rohrwiege, welche dann die

    justierbare Prismenleiste aufnimmt

-    Handgriff ist ja wohl bei mir Standard

-    Wenn möglich, Einsatz eines 3,5“ Feathertouch von Starlights Instruments ( USA ), um jegliche

    Vignettierung zu vermeiden

-     Sicherstellung der Verwendbarkeit eines Geradsichtbinos ohne GWK

-     Perfekte Innenauskleidung mit Blenden und Velours von Protostar ( USA )

-     Taukappe verschiebbar

-     Tubusbeschichtung mit meiner geliebten Goldfolie

-      Einsatz meines alten Leuchtpunktsuchers LPV-40

 

Hinweis:

Die nachfolgenden Bilder und Erläuterungen erfolgen nicht in exakter Reihenfolge der Bastelei, sondern sind teilweise zum besseren Verständnis thematisch zusammengefasst!

 

Also frisch ans Werk.

Als Rohrmaterial hatte ich noch ein Stück Hartpapierrohr ( von G. Neumann ) mit einem Innendurchmesser von 146 mm und 2 mm Wandstärke zur Verfügung. Das sollte sich als entscheidender Vorteil beim Einsatz des 3,5“-Feathertouch herausstellen....

Der erste Punkt für mein Konzept war die Konstruktion und Herstellung der Rohrwiege.

Da das ein Formteil ergeben mußte, welches ich nicht aus dem Ganzen herstellen konnte, ging ich folgendermaßen vor:

Die Außenhülle habe ich aus Alu-Blech gefertigt. Zur Aufnahme der Gewinde für die Befestigung der Prismenleite wurde innen eine weitere Aluleiste eingeschraubt.

  

 

Um die Kontur an das Rohr anzupassen habe ich die Außenhülle mit Spachtelmasse ausgefüllt und diese dann direkt auf dem Rohr aushärten lassen.

Als Trennmittel eignet sich da hervorragend Backpapier für den heimischen Backofen.

 

 

 

Nach dem Aushärten erfolgte mittels Feile und diversen Naßschleifpapierkörnungen die Feinarbeit.

Zur Justierbarkeit der Prismenleiste erhielt diese an beiden Enden je ein Loch für die Befestigungsschraube und jeweils beidseitig zwei M4-Innengewinde für die Justierschrauben

  

 Die Funktionsweise dieser Mechanik erkennt man hier eigentlich ganz gut.

  

Diese Justierbarkeit ist zwar für eine visuelle Beobachtung nicht zwingend erforderlich, aber bei Verwendung eines  GOTO – Systems schon sinnvoll.

Denn da ist eine perfekte Ausrichtung der optischen Achse des Teleskopes zur RA-Achse sehr sinnvoll und hilfreich. Und mit dieser Justiermöglichkeit kann man das am Polarstern wunderbar einjustieren. ( aber das ist wieder ein anderes Kapitel ...)

 Die Rohrwiege muß natürlich absolut fest am Tubus sitzen. Ich habe dazu zentral

4 Halteschrauben auf der Längsachse vorgesehen und zusätzlich an jeder Außenseite der Wiege

3 weitere Befestigungsschrauben.

 

 

Diese weiteren Schrauben stehen im Inneren nicht senkrecht auf die Tubuswand. Um diese Abweichung für die Muttern auszugleichen habe ich aus dünnem Alu-Rohr je ein schräg zugeschnittenes Unterlegteil gesägt.

Die gesamte Situation ( vor Einlegen des später beschriebene Veloursformstückes ) sieht man hier recht gut. Auch die beiden Befestigungsschrauben des Handgriffes sind zu sehen.

 

 

Das 115er TMB-Objektiv hat einen Ringflansch, der die Löcher für die Justierschrauben enthält. Zur Objektivaufnahme auf dem Rohr mußte also ein vorderer Tubusring hergestellt werden, der dann das Objektiv samt Justierflansch trägt.

Bei einem Flanschdurchmesser des Objektives von 148 mm paßte mein Tubusrohr also optimal.

Hier sieht man den vorderen Tubusring mit dem justierbaren Flansch des Objektives.

 

Und fertig mit dem Ringflansch des Objektives und den Justierschrauben sieht es dann so aus.

   

 

Und so, wenn das Objektiv ebenso drinnen sitzt.

 

 

Den 3,5“-Feathertouch konnte ich bereits mit einer Tubusanschlußplatte bekommen, die 

( rein zufällig ) exakt an meinen Tubus paßte.

Das war auch der Punkt, weshalb ich mich dann doch für den 3,5“-Auszug entschieden habe.  Ursprünglich war eigentlich mein 2“-Feathertouch vorgesehen . Und das sah mit dem 2"-Feathertouch zunächst so aus...

 

 

Für den 3,5"-Auszug war damit für mich in diesem Bereich lediglich die Befestigung der Platte zu erledigen.

Da ich früher immer Probleme mit Senkschrauben im Tubus hatte, die beim Eindrehen die Beschichtung zerstörten, habe ich es diesmal etwas anders gemacht.

Als Befestigungsschrauben kommen M3-Edelstahl-Senkschrauben zum Einsatz.

Bei Conrad-Elektronik gibt es dazu passende Rosetten aus Vollmaterial. Das gibt eine sichere Befestigung und sieht auch gut aus.

 

 

Dann erfolgte erstmal ein Testzusammenbau um zu sehen, ob alles generell paßt.  

 

  

 

Es paßt!

 

Die zeichnerische Ermittlung der Blendenposition ergab, daß zwei Blenden vollkommen ausreichend sind.

Das ist ein Vorteil eines großen Rohrdurchmessers: je größer der Durchmesser, mit umso weniger Blenden kommt man aus!

Wer es probieren will, zeichne sich mal die Blendensituation für das gleiche Objektiv bei verschiedenen Rohrdurchmessern auf.

 

Außer den Blenden wollte ich natürlich auch das Rohrinnere komplett mit schwarzem Velours auslegen.

Dabei habe ich, wie immer , auf die Variante des  Innentubus  zurückgegriffen.

Das heißt, das Velours wird nicht direkt geklebt, sondern auf einen Innentubus aus dünnem, schwarzen Karton geklebt, welcher dann je nach Bedarf in den Tubus geschoben oder wieder rausgezogen wird.

Das vereinfacht vieles, wenn man nämlich mal was ändern will. Die Sauerei, eingeklebtes Velours zu entfernen, entfällt.

Im Bereich der Schrauben der Prismenleiste und des Handgriffes ( siehe Bild oben ) war das aber garnicht so einfach. Hier habe ich ein regelrechtes Formteil hergestellt, welches dann diesen Bereich abdeckt.

Dabei hat dieses Formteil die Maße so bekommen, daß es gleichzeitig als Anschlagpunkt für die beiden Blenden dient.

Zunächst ein Testmodell, um die exakte Form bestimmen zu können.

 

 

Dann die engültige und mit Velours belegte Variante des Formteils.

 

 

 

Die Blenden habe ich diesmal ( wegen ihrer Größe ) nicht als Kegelblenden ausgebildet.

Ich habe sie aus 0.8mm Alublech geschnitten.

 

 

Beidseitig sind sie mit Velours beklebt, im Bereich des Strahlenganges mattschwarz gestrichen.

 

 

Als Halteelement für die vordere Blende fungiert ebenso ein Innentubus, der mit Velours belegt ist.

Hier sieht man mal, wie das alles dann so von vorn aussieht.

Ohne Blitz ist es rabenschwarz. Aber ich will ja zeigen wie es innen aussieht, und da sieht es mit Blitz eben etwas unrealistisch und fleckig aus. Isses aber in Wirklichkeit nicht!

 

Nun , da alles paßte, ging es an die Tubusbeschichtung. Zuvor wurde der rohe Tubus als zusätzliche Imprägnierungsmaßnahme  innen und außen mit Klarlack versehen.

 

  Dann kam die Goldfolie drauf.

 

 

Und anschließend konnte der Zusammenbau erfolgen. Zuvor wurden aber alle Veloursteile sorgfältig mit dem Fusselroller bearbeitet!

 

 

 

Fast fertig!

 

Aber, die Taukappe fehlt ja noch.

Als Taukappe kam ebenfalls ein Stück Hartpapierrohr zum Einsatz.  

Und natürlich eine entsprechende Beschichtung mit Goldfolie!

Um die Taukappe am Tubus zentrieren zu können und um den erforderlichen Filz aufzunehmen wurde ein  Taukappenabschlußring  gedreht. ( da hat mir, wie immer, Lutz Liebers sehr geholfen )         

Der Ring nimmt einerseits die Taukappe auf und stellt zum Tubus die Verbindung mittels straff sitzenden Filzes dar.  

Eine zusätzliche Sicherung der  Taukappe kann über eine M3-Rändelschraube erfolgen.  

Diese erhöht den Druck zwischen Taukappe und Rohr, sodaß die Kappe auch in Zenitposition nicht nach unten rutschen kann.  

Damit diese Rändelschraube nicht den Tubus trifft, liegt in ihrem Bereich unter dem Filz ein dünnes Edelstahlplättchen, sozusagen zur Kraftverteilung der Schraube auf den Tubus, ohne durch den Filz zu stoßen.

 

 

 

Die zweite Lage Filz wird direkt am vorderen Ende des Rohres außen auf den Tubus geklebt.

Dadurch läuft die Taukappe auf den Filzringen leicht genug und dennoch auch straff.

 

Die Taukappe ist innen matt geschwärzt und dient bei Bedarf auch als Aufnahme für einen Sonnenfilter.

 

 

Geschafft!  

Hier zusammengebaut drinnen auf meiner " Zimmermonti " ( meine alte GP-E )

mit Taukappe ( fast ) ganz draußen....

 

 

mit Taukappe  ganz drinnen....

 

Und hier sieht man das nette Teil mal in voller Größe auf meiner teleskopierbaren Säule mit GP-DX und SS2k.

 

  Wer jetzt vielleicht Lust bekommen hat, ähnliches zu basteln, der sollte sofort beginnen :-)

 

Wolfgang Höhle

t.brumm@gmx.de