Spiegelshifting am SCT Celestron C6 minimieren
(
ein kleiner Bildbericht )
Für alle Shiftinggeplagten
habe ich nachfolgend eine Anregung, wie man da deutliche Verbesserungen
erreichen kann.
Realisiert habe ich das an
einem neuen C6 von Celestron.
Diese Lösung ist nicht auf
die z.B. die RussenMAK übertragbar, da dort der Fokussiermechanismus anders und
besser durchdacht ist und das Shifting sehr minimal ausfällt, sodass es nicht
stört.
Alle nachfolgenden Bilder kann man durch Anklicken etwas vergrößern!
1.
Wie entsteht denn das Spiegelshifting überhaupt?
Der Hauptspiegel ist auf
einem Führungsrohr montiert, welches wiederum auf dem Blendrohr hin-und
herbewegt wird und damit die Fokuslage des Systems bestimmt.
Dabei ist die Konstruktion
so, dass seitlich von der Hauptspiegelhalterung ein Blecharm herausragt, an
welchem die Fokussierspindel starr befestigt ist.
Diese Fokussierspindel
greift in den Fokussierknopf im Hauptspiegelgehäuse ein .
Dreht man nun am
Fokussierknopf, so erfolgt die Verschiebung des Hauptspiegels ( und damit die
Fokussierung ) über die Fokussierspindel und den seitlich herausragenden
Blecharm.
Nun stelle man sich vor, das
Teleskop zeigt senkrecht nach oben und die Fokussierspindel samt Fokussierknopf
sei rechts.
Der Hauptspiegel auf dem Führungsrohr
will infolge der Schwerkraft nach unten rutschen, wird aber durch die seitlich
angebrachte Fokussierspindel daran gehindert.
Es entsteht also ein Drehmoment, welches sich auf die gesamte
Hauptspiegelhalterung einwirkt .
Und da zwangsläufig
zwischen dem Hauptspiegelführungsrohr und dem Blendrohr ein, wenn auch noch so
kleiner , Luftspalt besteht, kippt das gesamte System um den Betrag des
Luftspaltes tatsächlich etwas nach links ab!
Das heißt, der Hauptspiegel
sitzt in der Tat minimal „ schief „ nach links.
Zwischen dem Blendrohr und
dem Hauptspiegelführungsrohr befindet sich ein Schmierfett, damit die ganze
Sache besser läuft. Die Viskosität des Fettes bewirkt nun aber auch, dass,
wenn ich den Spiegel durch
Rechtsdrehung des Fokussierknopfes etwas „ nach unten „ ziehen will, der
Spiegel nun wegen der Zähigkeit des Fettes nicht gleich mitkommt und so infolge
des o.g. Spiels nach „ rechts „ kippt.
Das ist das lästige
Spiegelshifting, welches sich beim Fokussieren ( und da dreht man den
Fokussierknopf mal nach rechts, mal nach links ) je nach Fertigungsgenauigkeit
des Teleskopes mehr oder weniger störend durch ein wechselweise Kippen des
Hauptspiegels und damit durch ein Wandern des Objektes im Bildfeld
zeigt.
Das passiert nicht nur in
vertikaler Lage des Teleskopes, sondern auch in anderen Stellungen mehr oder
weniger stark.
Bei horizontaler Stellung
des Teleskopes liegen zwar die Komponenten erstmal nicht verkippt aufeinander,
aber im Moment des Fokussierens stellt die Reibung und die Viskosität des
Fettes eine Gegenkraft auf und das Shifting ist ebenfalls vorhanden.
Eine verflixte
Angelegenheit.
Bei dieser Gelegenheit noch eine Bemerkung zum Fett. Selbst wenn man keinen Umbau vornehmen will, sollte man mal sehen , was für Fett verwendet wurde. Denn, je höher die Viskosität, desto stärker macht sich das Shifting bemerkbar.
Es ist ein Trugschluß zu glauben, durch Verwendung von viel und zähem Fett den Luftspalt verkleinern und das Shifting minimieren zu können. Nämlich aus o.g. Grund.
Ich habe es mit verschiedenen Sorten versucht und bin immer wieder bestätigt worden, daß Fett mit geringerer Viskosität besser ist!
2.
Was habe ich alles schon versucht?
Ich habe sowohl früher an
meinem C8 als auch jetzt am C6 einige schon veröffentlichte Varianten probiert.
Diese haben mich aber
absolut nicht überzeugt da teilweise das Shifting sogar verstärkt wurde.
Ich will darauf nur kurz mit einigen Bildern
eingehen.
Das war z.B. das Einbringen von
feinsten Blechstreifen zwischen Blendrohr und Hauptspiegelführungsrohr, um das
Spiel zu minimieren. Der sichtbare Pappdeckel war mein Schutz des Hauptspiegels
.
Das war auch die Variante
mit je 3 Kunststoffschrauben vorn und hinten im Hauptspiegelführungrohr.
Und das war die Anbringung
von Teflongleitflächen.
Dazu mussten natürlich
Gewindelöcher in das Hauptspiegelführungsrohr eingebracht und der Hauptspiegel
geschützt werden.
3. Mein „ Geistesblitz „ :-)
Und wie minimiert man das
Shifting mit Erfolg?
Ganz einfach!
Ich habe mir gedacht, dass
ich die Schwerkraft überliste und den Spiegel dazu bringe, ständig und immer
nur die gleiche Kippstellung am Blendrohr einzunehmen.
Ich bringe den Spiegel dazu,
nicht durch die Schwerkraft nach unten zu drücken und damit nach links zu
kippen, sondern ich drücke den Spiegel mit einer solche Kraft „ nach oben „
, dass er nun nicht mehr durch die
Fokussierspindel abgestützt wird, sondern dass die Fokussierspindel ihn
bewahrt, nach oben zu rutschen.
Diese geringe Kippstellung
ist weiter nicht schlimm und wenn sie konstant bleibt, so lässt sich auch die
Kollimation des Systems vernünftig durchführen.
Diese Konstanz der Stellung
erhalte ich, wenn ich die Druckkraft nach oben so groß auslege, daß bei jeder
Bewegung der Fokussierspindel die Kraft auf den Spiegel und damit die Verkippung
nach rechts größer ist und beibehalten wird.
Das heißt, der Spiegel will
immer etwas schneller nach oben rutschen, als die Spindel hergibt. Damit bleibt
der Zug an der Spindel und somit auch dir Rechtskippung des Spiegels erhalten.
Und das ist doch ganz
einfach zu realisieren!
Einfach eine entsprechend
dimensionierte Druckfeder zwischen Hauptspiegelhalterung und Hauptspiegelzelle
über das Blendrohr setzen.
Diese Druckfeder habe ich
mir aus 3mm VA-Schweißdraht hergestellt.
Natürlich erhöht sich nun
beim Fokussieren der Widerstand des Drehknopfes etwas. Die Fokussierung läuft
aber dennoch ruckelfrei und weich.
Der Effekt ist für mich
beeindruckend.
Bei meinem 4mm Okular mit 3mm Feldblende hatte ich bei 1500mm
Brennweite etwa ein halbes Gesichtsfeld ( ca. 1,5 mm ) Shifting.
Nun sind es maximal 1/10 des
Gesichtsfeldes ( ca. 0,3 mm ).
Ich habe auch versucht, die
Kippung des Spiegels durch Gegenschrauben im Vorderteil des Hauptspiegelführungsrohres
zu beeinflussen.
Das hat aber keinen Effekt
gebracht außer, dass der Reibungswiderstand erhöht wurde und die ganze Einheit
schwerfälliger auf dem Blendrohr lief.
Das bringt also keinen
weiteren Nutzen.
Ich habe nach Abschluß der
Arbeiten bemerkt, dass dieses minimale restliche Shifting bereits auftaucht,
wenn ich den Fokussierknopf nur einfach berühre.
Der ist nämlich mit
ziemlich viel Spiel in seiner Lagerung versehen, und so führt ein dadurch
ausgelöstes Ruckeln an der Fokussierspindel zwangsläufig zum Ruckeln des
Hauptspiegels.
Aber, das müsste ich mir
auch mal vornehmen.
4.
Das Ergebnis
Das
sieht dann von außen erst mal auch nicht viel anders aus. Wer mich kennt weiß,
dass es allerdings ohne den obligatorischen Handgriff und meinen
Lieblingspeilsucher nicht geht.
Ich hatte vor dem Umbau eigentlich schon
angedacht, den Hauptspiegel festzustellen und eine Crayford anzubauen.
Das ist aber nun für meinen
Bedarf absolut überflüssig geworden.
Ich bin es erstmal
zufrieden.
5. Kann man diese Lösung
auf größere Geräte übertragen?
Ich glaube schon, aber hier
sind natürlich andere Gewichte des Hauptspiegels im Spiel .
Das müsste dann jeder für
sich ausprobieren.
Ich denke aber, das es schon
machbar wäre.
Wolfgang Höhle
t.brumm@gmx.de